Winterprogramm 2026/2027

Bereits zum vierten Mal führen der Naturwissenschaftliche Verein, das Museum Lüneburg, das Institut für Ökologie der Leuphana Universität sowie die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz ihr gemeinsames Winter-Vortragsprogramm durch. Wir wollen damit Einblicke in die Naturkunde, aktuelle Fragen der Naturwissenschaften sowie des Naturschutzes gewähren, die sich an Vereinsmitglieder und weitere Interessierte in der Region richten sowie auch an Studierende der Universität.
Wir wollen bekannte und erfahrene Referierende ebenso zu Wort kommen lassen wie Nachwuchskräfte, die sich auf den Weg der Naturwissenschaften und des Naturschutzes begeben haben.

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Die Veranstaltungsorte wechseln zwischen dem Museum und der Universität.
Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.
Gerne können Gäste der Veranstaltung im Museum Lüneburg zwischen 17 und 18 Uhr, dem Beginn des Vortrags, das Museum bei freiem Eintritt besuchen.

Ansprechpartner der beteiligten Organisationen

Leuphana Universität Lüneburg
Dr. David Walmsley (david.walmsley@leuphana.de)
Prof. Dr. Andreas Fichtner (andreas.fichtner@leuphana.de)
Prof. Dr. Werner Härdtle (werner.haerdtle@leuphana.de)

Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz
Dr. Janine Sybertz (janine.sybertz@nna.niedersachsen.de)

Museum Lüneburg
Christina Broesike (c.broesike@museumlueneburg.de)

Naturwissenschaftlicher Verein Lüneburg
Prof. Dr. Johannes Prüter (prüter.radegast@t-online.de)
Dr. Christoph Hinkelmann (christoph@cordero-hinkelmann.de)

Mittwoch, 14. Oktober 2026, 18:00 Uhr,
Leuphana Universität Lüneburg

M. Herdeg

Kohle, Kohlendioxid und das Kohlenstoff-Drama aus sozial-ökologischer Sicht
Prof. Dr. Carsten Hobohm, Lüneburg

Neben Wasser ist Kohlenstoff der wichtigste Baustein lebender Organismen. Als anorganische Komponente nimmt Kohlendioxid eine Schlüsselposition im Kohlenstoffkreislauf ein – insbesondere an den Schnittstellen von Biosphäre, Hydrosphäre, Pedosphäre und Atmosphäre. CO₂ ist ein sehr wirksames Treibhausgas und Gegenstand vieler Debatten. Die Frage, welche Tendenzen als dramatisch einzustufen sind und welche Prognosen dramaturgisch überhöht sind, ist allerdings nicht immer leicht zu beantworten. Ist CO₂ ein Schadstoff, Lebenselixier oder beides?

Veränderungen im Kohlenstoffkreislauf gehen u.a. mit einem langfristigen Anstieg des atmosphärischen Wasser- und Kohlenstoffspeichers (vorwiegend CO₂) und einem erhöhten Treibhauseffekt einher. Die intra- und interannuellen Schwankungen dieser Vorräte in der Atmosphäre sind wiederum mit den photosynthetischen Leistungen und der Respiration in den Ökosystemen verknüpft. Die Ökosystemproduktivität (NPP) und die Produktion land-, forst- und fischwirtschaftlicher Erzeugnisse konnten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ansteigen - begünstigt u.a. durch längere Vegetationsperioden, einen CO₂-Düngeeffekt und Stickstoffeinträge aus der Luft.

Feuer und CO₂-Emissionen aus Bränden in den Landschaften sind seit vielen Jahrzehnten rückläufig. Einige der in den Medien verbreiteten Botschaften unterstützen allerdings gegenteilige Narrative und spiegeln entsprechende Entwicklungen nicht angemessen wider.

Während die Weltbevölkerung und die Menge der Haustiere stark gewachsen ist und weiter wächst, ist die Biomasse wildlebender Wirbeltiere, der Insekten und anderer Tiergruppen in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft. Die Zerstörung von Ökosystemen und die Intensivierung der Landnutzung, dazu gehören auch Projekte des Emissionshandels, führen vielfach zu massiven regionalen Konflikten und einer Beeinträchtigung aller Schutzgüter der Umwelt – Gesundheit/Wohlbefinden, Wasser, Boden, Luft/Klima, Flora und Fauna.

Carsten Hobohm, Prof. Dr. rer. nat. habil. em., war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2021 Leiter der Abteilung Ecology and Environmental Education an der Universität Flensburg (EUF). Das Verhältnis von Natur und Kultur unter dem Dach der Umweltethik ist zentraler Gegenstand seiner Forschung. Aktuell ist er an mehreren makroökologischen Projekten zum Thema Biodiversität und Landnutzung beteiligt.

 

Mittwoch, 4. November 2026, 18 Uhr,
Leuphana Universität Lüneburg

J. Borris

Amphibien in Norddeutschland: Gewinner und Verlierer
Florian Bibelriether, Amphi Consult Germany, Glienitz

Die in unserer Umwelt derzeit stattfindenden Veränderungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Amphibienarten Norddeutschlands. Abhängig von ihrer ökologischen Einnischung fällt es manchen Arten leichter als anderen, sich veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Der Vortrag beleuchtet die unterschiedlichen Überlebensstrategien der Amphibienarten und bewertet deren Resilienz gegenüber den aktuell stattfindenden Veränderungen.

 

Mittwoch, 18. November 2026, 18 Uhr
Museum Lüneburg

A. Wittke

Der leere Himmel – das Verschwinden der Greifvögel Afrikas
Dr. Andreas Wittke, Gründer der Raptor Conservation Initiative, Wittmund

In weiten Teilen Subsahara-Afrikas gehen die Bestände von Greifvögeln in alarmierendem Tempo zurück. Einst prägende Arten der Savannen und Wälder verschwinden zunehmend aus dem Landschaftsbild mit weitreichenden Folgen für ganze Ökosysteme. Die Ursachen dieses dramatischen Rückgangs sind vielfältig: fortschreitender Lebensraumverlust durch Landwirtschaft und Infrastrukturentwicklung, der Einsatz hochtoxischer Pestizide, gezielte Vergiftungen im Kontext von Wildtierkonflikten sowie die Nutzung von Greifvögeln für traditionelle Medizin und sogenannte Voodoo-Märkte.

Greifvögel übernehmen zentrale ökologische Funktionen. Als Spitzenprädatoren regulieren sie Populationen von Kleinsäugern und anderen Beutetieren. Gleichzeitig wirken Aasfresser wie Geier als „Gesundheitspolizei“, indem sie Kadaver beseitigen und so die Ausbreitung von Krankheiten eindämmen. Ihr Verschwinden hat daher nicht nur ökologische, sondern auch direkte gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen für den Menschen.

Der Vortrag gibt einen fundierten Einblick in die Hintergründe dieses Artensterbens und beleuchtet aktuelle Entwicklungen anhand konkreter Fallbeispiele aus Westafrika. Zudem werden praxisnahe und umsetzbare Schutzansätze vorgestellt, die auf lokaler Zusammenarbeit, Umweltbildung und nachhaltigen Nutzungskonzepten basieren. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Greifvögel und ihre Lebensräume langfristig erhalten werden können.

Dr. Andreas Wittke ist Geowissenschaftler mit Schwerpunkt auf Isotopengeochemie und Paläobiologie. Seit 21 Jahren besitzt er praktische Erfahrung im Umgang mit Greifvögeln, Falken, Geiern und Eulen. Er ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Falkner – Bund für Falknerei und Greifvogelschutz – Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V. und Gründer der Gesellschaft für Greifvogelschutz – Raptor Conservation Initiative. Beruflich leitet er die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Waldbehörde des Landkreises Wittmund.

 

Mittwoch, 2. Dezember 2026, 18 Uhr
Museum Lüneburg

S. Luett

Leben ohne Lebensraum? Biotopschwund in Schleswig-Holstein
Dr. Silke Lütt, Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein, Kiel

Trotz bestehendem Biotopschutz nehmen Fläche und Qualität der gesetzlich geschützten Biotope und ökologisch hochwertigen Lebensräume immer mehr ab. Dies zeigen Ergebnisse der Biotopkartierung in Schleswig-Holstein von 2014-2020 im Vergleich mit 1978-1993. Im Vortrag werden Gründe für die Biotopverluste erläutert und aufgezeigt, wie in einer Landesnaturschutzverwaltung für die Erhaltung der Biodiversität gearbeitet wird.

 

Mittwoch, 20. Januar 2027, 18 Uhr
Leuphana Universität Lüneburg

M. Evers

Veränderungen des Landschaftswasserhaushalts und ihre Auswirkungen auf Ökosystemleistungen
Prof. Dr. Mariele Evers, Universität Bonn

Der Landschaftswasserhaushalt verändert sich aktuell stark. Der Vortrag analysiert Ursachen und beleuchtet die Auswirkungen veränderter Wasserverfügbarkeit auf regulierende Leistungen wie Hochwasserschutz, Stickstoffrückhalt und Kohlenstoffspeicherung sowie auf Trinkwasserressourcen und Landwirtschaft. Anpassungsstrategien für ein resilienteres Landschaftsmanagement werden diskutiert.

 

Mittwoch, 3. Februar 2027, 18 Uhr
Leuphana Universität Lüneburg

C. Marlow

Wiesenvogelschutz von Niedersachsen bis Westafrika
Dr. Hanna Prüter, Staatl. Vogelschutzwarte im NLWKN

Niedersachsen hat eine hohe Verantwortung für den Wiesenvogelschutz in Deutschland. Nur in wenigen Gebieten gelingt es, dem Bestandsrückgang erfolgreich entgegenzuwirken. Der Vortrag beleuchtet die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem langjährig angelegten Integrierten EU-LIFE-Projekt GrassBird-Habitats, das auch Schutzstrategien z.B. für Langstreckenzieher wie die Uferschnepfe unter Einbindung der Winterquartiere in Westafrika entwickelt und umsetzt.

 

Mittwoch, 24. Februar 2027, 18 Uhr
Museum Lüneburg

J. Borris

Die Verantwortungsart Rotmilan – Forschung für den Artenschutz
Martin Kolbe, Rotmilanzentrum am Museum Heineanum, Halberstadt

Mit fast der Hälfte seines Weltbestands lebt der Rotmilan in Deutschland. Er gehört damit zu den besonderen Verantwortungsarten in unserem Land. Der Vortrag vermittelt Einblicke in bisherige und laufende Forschungsarbeiten zum Verhalten und zur ökologischen Einnischung des Rotmilans in die offene Agrarlandschaft und zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Forschungsergebnisse Artenschutz unterstützen können.

 

Vom 21.01. - 26.04.27 zeigt das Museum Lüneburg eine Wanderausstellung der Deutschen Wildtier Stiftung zum Rotmilan. In der Ausstellung stehen die Lebensweise des Greifvogels, seine Beziehung zur Agrarlandschaft mit der Entwicklung der Landwirtschaft und das Artenschutzprojekt Land zum Leben im Fokus.

Mittwoch, 10. März 2027, 18:00 Uhr,
Museum Lüneburg

Mitgliederversammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins
evtl. mit Kurzvortrag aus den eigenen Reihen.